Sonntag. Sommerwind weht durch meine Küche – kühlt die Fliesen, kühlt die Haut. Kinderstimmen von der Straße. Ein Hauch von Lavendel aus dem Vorgarten. Von den Kirschen schaffen es einige nicht an meinem Mund vorbei in die flache, weiße Backform. Die Kleine spielt gedankenverloren und Tristan ist in sein iPad versunken. Die Küchenuhr tickt. Das tut sie natürlich schon immer, aber ich war lange nicht mehr so entspannt, das auch zu hören. Die Leichtigkeit ist zurück. Die Unbekümmertheit, die die Ideen entstehen lässt, mit denen sich die schweren Momente des Lebens überhaupt erst ertragen lassen.
„Sag mal, wolltest Du nicht ‘nen Kuchen backen. Die Gäste kommen bald“, fragt Tristan lakonisch, ohne die Augen vom iPad zu nehmen. „Ich mach doch Kirsch-Crumble. Das geht ganz fix.“ Sonst wäre ich jetzt schon wieder im Stress-Modus. Aber so ein Crumble ist einfach unkompliziert und dabei wahnsinnig lecker.
„Weißt Du, was in der Parfümwelt fehlt?“, frage ich Tristan. Das lässt ihn erwartungsvoll aufschauen. „Ein Duft, der einfach unkompliziert und wahnsinnig lecker ist! So einen sollten wir selber herausbringen – mit einer eigenen Marke.“ „Denkst Du wirklich?“, kontert Tristan mit der eisigen Frische der Rationalität, die uns zugebenermaßen schon vor so Einigem bewahrt hat. Aber nicht heute, nicht jetzt …
„Ne, wirklich, überleg doch mal: Die meisten tollen Nischendüfte, die wir im Programm haben, sind wie Schwarzwälder Kirsch: komplex, schwer, mächtig, luxuriös.“ Tristan holt Luft für die Gegenargumente, aber ich merke, wie ich in Fahrt komme. „Stell Dir mal folgendes vor: sympathisch statt luxuriös – Wohlfühlduft statt Statussymbol – von Parfüm-Enthusiasten statt aus dem Konzernlabor. Cherry Crumble im Flakon. Sowas fehlt doch.“
„Träumereien“ entgegnet er staubtrocken. Aber das ist, was gute Laune vermag. „If you can dream it – you can do it!“, ist mein spielfilmreifes Comeback und wir müssen beide lachen.
„Neben Familie, Geschäft, Webshop …“ beginnt er seinen Satz. „… kriegen wir das auch noch gebacken“, beende ich den Satz.
„Denn wir sind The Bakery“.