Inexcusable Evil von Toskovat – der Duft, über den alle reden
Es riecht nach Ozon, wie kurz vor einem Gewitter. Dann nach Schießpulver. Dann nach etwas, das Du nicht riechen willst und trotzdem nicht loslässt: Metall, Iod, saubere Bandagen, nasser Beton. Inexcusable Evil ist kein Parfum, das gefallen will – es ist eine Szene, in die Du gestellt wirst. Toskovats bekanntester und meistdiskutierter Duft: verstörend für die einen, das faszinierendste Stück Duftkunst der letzten Jahre für die anderen. Dazwischen gibt es wenig.
So entwickelt sich Inexcusable Evil auf der Haut
Das Opening ist ein Schlag: Ozon bringt eine scharfe, elektrische Kälte, Schießpulver eine trocken-rauchige Explosivität. Die ersten Minuten sind der kompromissloseste Teil des Dufts – und der Grund, warum Du ihm Zeit geben solltest.
Im Herzen zeigt sich, warum dieser Duft berühmt wurde: Der metallische Blut-Akkord und salziges Iod erzeugen diese antiseptische, fast klinische Anmutung, über die die Community seit Jahren diskutiert. Dagegen arbeiten Blüten, die wie verbrannte Blumen wirken, rauchiges Guajakholz, erdiger Nagarmotha, balsamischer Kopaivabalsam und der irritierend-textile Akkord synthetischer Fasern. Verwundung und Verband im selben Atemzug.
Die Basis beruhigt das Drama zu einer urbanen Signatur: Beton und ein nasser Regen-Akkord legen die Kulisse, Sandelholz macht sie tragbar, Weihrauch gibt dem Ganzen eine sakrale, fast tröstliche Schlussnote. Mit 7,9/10 bei Haltbarkeit und Sillage gehört Inexcusable Evil zu den stärksten Performern des Hauses.
Die Idee dahinter: ein Duft über Schuld
David-Lev Jipa-Slivinschi a.k.a. Toskovat’ hat Inexcusable Evil 2022 vor dem Hintergrund des Kriegsbeginns in der Ukraine komponiert – nicht als schöner Duft, sondern als olfaktorisches Kriegsbild: Gewalt, Verwundung, Schuld, und die Frage, wie etwas riecht, das nicht entschuldbar ist. Der Rumäne, der eigentlich vom Film kommt, baut seine „Extraits de Mémoire” wie Szenen – und diese hier ist bewusst eine Zumutung. Genau deshalb funktioniert der Duft: Er nimmt Dich nicht in den Arm, er stellt Dir eine Frage.










